Across the Alps – and a little beyond

930 Kilometer, 19.000 Höhenmeter, 4 fitte Beine und überraschend viele Pässe.

„Sag mal Moritz: War das jetzt eigentlich auch so ein Alpencross von dem alle reden?“ – Fragte ich Moritz an Tag 7 unserer Tour, wie wir mit einem Eis in der Hand am Gardasee standen und eine Gruppe Männer beobachteten, die in Einheitspullovern mit der Aufschrift „Alpencross 2021“ ihre Räder an uns vorbeischuben. „Ich denke mal man könnte das so bezeichnen“ – war die Antwort. *Rückblick*

August Die Idee entsprang dem Gedanken einmal um den Bodensee zu radeln. Doch wir beide kamen schnell zu dem Schluss (vielleicht mit leicht unterdrücktem Übermut), dass uns die 260 Kilometer um Deutschlands größten See herum nicht reichen.

Anfang September Die Planung nimmt allmählich Fahrt auf. Doch es herrscht noch Unsicherheit über die Ausrüstung. Insbesonder die Fragen nach dem Zelt und der Kochmöglichkeit waren von meiner Seite aus noch nicht ganz klar. Ein weiteres Problem stellte mein in die Jahre gekommenes Laufrad dar. Nach kurzer Inspektion war klar: Ein neues muss her. An dieser Stelle ein hoch auf Bike-Discount und Expressversand.

28. August – Tag 1: Los ging es gegen 8 Uhr, zunächst in Richtung Tiefenbronn mit dem Ziel Villa Hawener 😉 bereits nach den ersten Kilometern begriff ich, dass in diesem Urlaub Werte wie der Schnitt, die Kilometer oder die Höhenmeter überhaupt keine Rolle spielen. Nach der ersten richtigen Ultrasaison rechnete mein Kopf immer noch in Einheiten wie hm/h oder min/km. Voller Vorfreude strampelten wir in die Pedale. Doch bereits der erste Anstieg schlug mächtig ein. Mit 2 Packtaschen à je ca. 5 Kilo fährt es sich dann doch nicht so leicht den Berg rauf, wie man das ohne Zusatzgewicht gewöhnt ist. Nach 100 Kilometer gab es eine Versorgungstation in Form eines etwas runtergekommenen Kiosks. Das Wetter konnte der Stimmung auch nichts abgewinnen. Im Laufe der Fahrt regnete es mal mehr, mal weniger. (Danke Mama für das borgen der kurzen Regenhose). Nach 200 Kilometern erreichten wir den Bodensee. Wenn man berücksichtigt, dass die weiteste Distanz bis dato 160 läppische Kilometer betrug, auf jeden Fall ein „next big step“. Die letzten Kilometer waren doch mühsamer als gedacht und zogen sich aungewollt lange. Unser Etappenziel war Dornbirn, wo Moritz eine „Warmshowers“ Schlafmöglichkeit organisieren konnte. Wirklich toll zu sehen, dass es so hilfsbereite Menschen gibt.

Jacke ein, Jacke aus. Das übliche Spiel mit dem Regen im Somer
Life behind bars – Die erste

29. August – Tag 2: Von Dornbirn aus war das Ziel der Qual (äähm Wahl versteht sich) heute eigentlich Landeck. Bereits beim Frühstück konnten wir allerdings die Regentropfen beobachten, wie sie an der Scheibe herunterrannten. Wir entschlossen uns dann doch es einmal zu probiere und zumindest ein paar Kilometer vorwärts zu kommen. Von Seiten des Regenradars war keine Besserung in Sicht. Uns so schlugen wir uns vor bis nach Feldkirch und dann weiter mit Kurs Richtung Arlbergpass. Je weiter wir vorankomen, desto ungemütlicher wurde das Wetter und desto bescheidener wurde die Begeiterung in Sommerklamotten einen Alpenpass zu überqueren wanderte schneller gegen 0 als wir es nach Bludenz schafften. Nach einem wärmenden Kaffee und einem Stück Kuchen beschlossen wir doch lieber den Zug zu nehmen. Eine tolle Eigenschaft von Bergen ist immerhin, dass sie mit ziemlicher Sicherheit im nächsten Jahr auch noch stehen.
Einen Vorteil hatte der Etappenabbruch dann doch: Wir waren früher als geplant in Landeck und hatten noch ein bisschen Zeit um unsere Sachen zu trocknen und die Beine etwas auszustrecken. Auch die Wahl des Campingplatzes war dafür die absolut richtige. Nicht nur waren wir bald in netter Gesellschaft einer Ulmer Radgruppe, auch gab es einen Gemeinschaftsraum zum Verweilen. Es sollte das vorletzte Mal sein, dass wir Geld für eine Übernachtung ausgaben.

30. August -Tag 3: Felix war am Vorabend noch von Innsbruck aus dazugestoßen. Zu dritt machten wir uns auf in Richtung Berge. Die Vorfreude war riesig. Mich holten auf der Strecke Richtung Nauders die Erinnerungen ein. Jedoch kannte die Straßen lediglich von der Rückbank des Wohnmobils. Meistens mit Kopfhörern auf und einem Film laufen. Anders war die Erfahrung auch, weil es niemand quängelte „sind wir bald daahahaaaaa??!!?“. Zu dritt genossen wir die atemberaubende Landschaft, während wir uns langsam aber sicher die gut 400 Höhenmeter über Nauders zum Reschensee hochkurbelten.

Zum Reschensee
Am Reschensee
genug Reschensee

Ab dann gings bergab. Nach der italienischen Grenze leitete uns der geplante GPX Track aus irgendeinem Grund auf den Radweg. Jedenfalls wäre es schlauer gewesen drei immernoch leicht übereifrige Studenten über die Straße zu leiten. Ende der Geschichte: 55 km/h im Schnitt, die durchaus der Dreißig auf dem Schild mit dem roten Kreis drum rum wiedersprachen. Im Vinschgau mussten wir uns dann nur noch auf die Suche nach einem Schlafplatz machen. Nach einem entgeldlichen Überfall auf einen Supermarkt und einer Eisdiele entschieden wir uns noch ein wenig Richtung Stelvio zu kurbeln. Die Suche nach einem Schlafplatz gestaltete sich zwar schwierig. Am Ende fanden wir aber einen ruhigen, verlassenen Grillplatz.

„Schlimmer geht immer“
Holz hatte es auch genug
Aussicht? Aussicht!

31. August – Tag 4: Los gehts. Das kleine Träumchen, das sicher jeder Rennradfahrer irgendwo im Kopf hat, galt es zu bestreiten. Über die Landschaft brauche ich wohl wenig schreiben. Mit Einsetzten der Serpentinen begann auch der atemberaubende Blick auf den Gletscher. Und so ging das Kehre für Kehre. Da wird so früh los sind war auch der Verkehr durchaus aushaltbar. Lustigerweise traf ich auf 3/4 der Strecke ein pforzheimer Ehepaar, welche in einem alten Porsche unterwegs waren. Durchaus amüsant, wenn man sich überlegt, dass wir im Grunde beide die gleiche Anreise hatten. Moitz wartete oben bereits. Felix hatte uns das okay gegeben weiterzufahren. Nach einem kurzen Kaffee und einem Passschildbild ging es wieder runter. An dieser Stelle eine kurze Schweigeminute an Moritz seinen Zehen, denen ein Überzug verwehrt blieb. Die erste lange Abfahrt mit Packtaschen war nicht ganz einfach, aber es reichte, um locker mit den Autos mitzuhalten. Unten angekommen hieße es dann auch schon: nichts wie raus aus den warmen Klamotten. Uns erwartete feinstes italienisches Sommerwetter.

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